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Die Chronik des Fördervereins

Als 1981 die Schachtanlage geschlossen wurde begann der damalige Besitzer, die Ruhrkohle AG, nach Rücksprache mit der Gemeinde Bönen wegen einer eventuellen Überlassung einzelner Gebäude, mit dem sofortigen Abriss aller Tagesanlagen. Lediglich der Förderturm über Schacht 4 blieb stehen, da er für die Wasserhaltung des Altfeldes gebraucht wurde. Ohne ihn wären das Königsborner Grubenwasser nach Heinrich –Robert übergetreten und hätten die dort installierte Wasserhaltungskapazität bei weitem überschritten. Deshalb stand der Turm einsam und alleine auf einem umzäunten Grundstück.
Die Idee einer  Sanierung für eine Folgenutzung des Turmes wurde damals als Utopie angesehen. Die Ruhrkohle bezifferte die Kosten im Mai 1996 mit 10 Millionen D-Mark.
Ein Hoffnungsschimmer zum Erhalt des Förderturmes zeigte sich dann aber Anfang Juli 1996 am Horizont. Das Land NRW verhandelte mit dem Bergbau und gab ein eigenes Gutachten in Auftrag. Dieses zeigte, dass die Renovierung des Turmes niemals bei 10 Mio. D-Mark liegen würde.
Endgültige Sicherheit gab es dann Anfang September. Ein vom Westfälischen Amt für Denkmalspflege in Auftrag gegebenes Gutachten zeigte, dass die Sanierung im normalen, wirtschaftlichen Rahmen ähnlicher Bauwerke liege. Frau Imme Wittkamp als Bauexpertin bezeichnete den Turm als erhaltenswert und sorgte für die Aufnahme in die Denkmalschutzliste.
Daraufhin beabsichtigte das Land den Förderurm in eine mit der Ruhrkohle zu gründende Stiftung aufzunehmen. Dieser Plan wurde später aber wieder aufgegeben. Ebenfalls im September 1996 besuchte dann Professor Ganser als Geschäftsführer der internationalen Bauausstellung Emscherpark die Gemeinde. Hierbei machten die Gemeinde und auch der Kreis erstmals deutlich, dass sie durchaus an einen Erhalt des Turmes interessiert sind, aber die Kosten niemals alleine stemmen können.
Am 13. November war dann in den Zeitungen zu lesen, dass man beabsichtige das 17129 m² große Grundstück zunächst der Landesentwicklungsanstalt zu übereignen. Diese würde sich zunächst um die Instandsetzung kümmern und das renovierte Denkmal mit dem Grundstück an eine noch zu gründende Stiftung übergeben.
In dem folgendem Jahr wurden immer wieder Zukunftsvisionen gezeichnet und eine Möglichkeit gesucht dem Turm eine zukünftige Bedeutung zu geben. Eine erste Idee von Professor Ganser im Mai 1999 den Förderturm in Verbindung mit einem ähnlichen Förderturm der linksrheinischen Schachtanlage Rossenray als Landmarke zu gestalten scheiterte zunächst an den zu erwartenden, hohen Installationskosten.
Im Juni 1999 wurden 20 Bönener Bürger dann zur Ausstellung „Landmarkenkunst“ ins  Schloss Oberhausen eingeladen. Zunächst waren diese von der für sie inszenierten Ausstellung mit Brezeln, Kleinkunstkünstlern und vor allem einem riesigen Bild „ihres Förderturmes“ stark beeindruckt. Als dann aber von Professor Ganser sehr deutlich gefragt wurde was denn seit seinem Besuch vor zwei Jahren am Turm unternommen worden sei, überkam den Bönenern sicherlich ein Unbehagen.
Der Professor machte dazu dann Vorschläge. Dies könnten z.B. wechselnde Künstler sein, die den Turm als Bühne benutzen. Auch die mehr scherzhafte Frage, ob der Turm nicht auch mit einer Adventskranzinstallation ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt werden könne bejahte der Professor als eine von vielen Möglichkeiten. Die Befürworter sollten nun endlich auch einmal beginnen ihren Turm sichtbar ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken um ein Fingerzeig  in Richtung der Politik schicken.
Und wieder half der Professor. So wurde am Samstag, dem 7. August mit Hilfe von Notstromaggregaten der Turm von außen und innen beleuchtet. Es fanden sich über 500 Bürger ein, die dann mit Mischa Kubal, Landrat Landwehr und anderen aus Politik und Wirtschaft um 22.00 Uhr die „Landmarke Zechenturm“  eröffneten.
Auf der linken Turmseite war ein kleines Teilstück der noch zu installieren Lichtleiste „Yellow Marker“ angebracht. Professor Ganser  bezifferte die Kosten für diese zukünftige Installation mit 300.000 DM.
Diese Veranstaltung war der Startschuss für Bönen, sich den Turm endlich zueigen zu machen.
In den folgenden Wochen bekräftigte der Bürgermeister den Willen und die Möglichkeit den Turm zu erhalten. In einem Pressegespräch hob Bürgermeister Esskuchen die Arbeit des Kulturnetzwerkes hervor, das in vielen Aktionen immer wieder den Turm als ein sichtbares Zeichen der Bergwerksvergangenheit in den Mittelpunkt stellte. Die LEG  erarbeitete eine Stufenplan zur Renovierung und auch die Werkstatt Unna bot ihre Hilfe bei der Umsetzung an.
Waren es die markigen Worte von Professor Ganser in Oberhausen der dafür sorgte dass sich dann am 24.11.1999  35 Bönener Bürger im Gasthaus Timmering trafen um einen Förderverein zu gründen? Jedenfalls bekräftigten alle dass sie Willens sind an der Sanierung des Turmes mitzuarbeiten.
In der Versammlung wurde Günter Wagner zum ersten Vorsitzenden gewählt. Er konnte gleich nach seiner Wahl verkünden dass sich schon eine Arbeitsgruppe vorab gegründet hätte.
Eine der ersten Idee dieser Arbeitsgruppe war durch eine Scheinwerfer-Außenbeleuchtung in der Adventszeit, um den Turm noch mehr in das Blickfeld der Bürger zu rücken.
Die Gruppe hatte ein vom Bergbau gestiftetes Kabel von der Zechenstraße über 250 m bis in den Turm verlegt. Dort wurden 3 Scheinwerfer mit je 2 KW, diese waren von einem örtlichen Bauunternehmen gestiftet worden, auf dem Dach der Schachthalle installiert. Und so erstrahlte dann pünktlich zum 1.Advent jeweils für ein paar Stunden der Turm in seiner ganzen Schönheit. Günther Wagner bekam, sozusagen als Hausmeister, von der Ruhrkohle die Schlüssel für das Tor und dem Turm und  ein Besuchs- und Betretungsrecht bis zum 4. Januar eingeräumt. Die Energiekosten für das allabendliche „Highlight“ wurde durch Spenden von Bönener Betriebe und auch Privatpersonen gestiftet. Sollte diese Lichtaktion zunächst nur bis zum 4.1.2000 gehen, so fanden sich immer wieder neue Paten die dafür sorgten dass das Licht erst im August 2001 ausgeschaltet wurde. Manch ein Geburtstagskind  bekam so unvermutet sein eigenes „Geburtstagslicht“ von seinen Angehörigen geschenkt.
Als die erste, eigene  Veranstaltung ging der 11.12.1999 in die Geschichte des Turmes ein. Der Förderverein hatte zum Besuch des Turmgeländes eingeladen. Aber wegen des schlechten Wetters fand diese „Fete“ dann mit etwa 250 Besucher, dabei waren ganz viele ehemalige Bergleute unter den Gästen, im Förderturm statt. 24 neue Mitglieder wurden an diesem Tag für den Förderverein geworben.   
Da das gesamte Gelände wegen verbliebenen Altlasten, sowie einer installierten Sickerwasserreinigung  24 Stunden am Tag bewacht wurde, musste Günter Wagner jeden Besuch bei einem Wächter an- und abmelden.. So konnte er interessierte Bürger in kleinen Gruppen den Turm auch von innen zeigen.
Zunächst war nur die Rasenhängebank allen zugänglich. Immer stärker entwickelte sich ein Bewusstsein für den Turm. Nun installierte Günter Wagner seine Kirschenpflückleiter, so das Schwindelfreie und Mutige die treppenlosen 6 m bis zur ersten Bühne überbrücken konnte. Deshalb wurde sehr schnell der alte Stahltreppenaufgang wieder instandgesetzt. Als nächstes erhielt der Turm über mehrere Kabeltrommeln und Standleuchten einen nunmehr auch ohne Taschenlampe begehbaren Aufgang. Alle Fenster des Turmes waren ja von außen mit Bleche verschlossen worden. Im Turm waren trotzdem überall offene Löcher in den Wänden, so dass sich mehrere Generationen von Tauben den Turm zueigen machten . Zu den Glassplittern und auch Bauschutt hatte sich überall eine große Menge an Taubenkot angesammelt.
Die Mitglieder des Vereins reinigten dann in mehreren Samstagsschichten die verschiedenen Ebenen. Die Werkstatt Unna begann auf der Rasenhängebank alte Einbauten abzureißen. So wurde die Schachthauerbude sowie ein Lagerraum und die Reste eines alten, kleinen Waschraumes entfernt. Parallel dazu wurde eine verbindliche Machbarkeitsstudie zur Zukunft des Turmes erarbeitet.
Um eine reibungslose Organisation bei den bevorstehenden Bauarbeiten zu gewährleisten, wurde der Landesentwicklungsanstalt als bauführenden Architekt Rüdiger Korkowsky, der als Beisitzer zum Förderverein gehört, vorgeschlagen.
Um Geld in die Kasse des Fördervereins zu bekommen, entschloss sich der Verein für 2004 einen Kalender, der ausschließlich Bilder des Turmes zeigen sollte, zu erstellen. Als Partner konnte der Westfälische Anzeiger gewonnen werden, der seinen bekannten Fotoreporter, Günter Thomas, schickte. Zwei weitere Kalender erschienen in den folgenden Jahren. Außerdem bot der Förderverein nun  Armbanduhren an, auf dessen Ziffernblatt der Förderturm neben einem Stückchen echte Kohle zu sehen ist. Für 29 € erhielten die Käufer eine Qualitätsuhr von bleibenden Wert .
Ein großer Fortschritt war dann der Einbau der gasdichten Betondecke auf der Rasenhängebank. Sie wurde buchstäblich auf dem vorletzten Tag fertig, so dass damals die erste Veranstaltung auf ihr 2004 zum Tag des offenen Denkmals durchgeführt wurde. Und wieder wurden Ideen geschmiedet wie und was im Turm weiter zu geschehen hätte. Den Förderturm ohne zweiten Fluchtweg, die bis zu der Hängebank reichen mussten, zu betreiben wiedersprach der Brandschutzordnung. So entschied man sich zum Bau der zwei Treppenhäuser in der ehemaligen, vorderen Schachtschleuse. Auch diese Arbeit wurde durch die Werkstatt Unna durchgeführt und vom Förderverein koordiniert.
In der Zwischenzeit wurden die Veranstaltungen im ungeheizten Turm immer größer. So fand zum Beispiel  eine Lan-Party bei recht rauen Außentemperaturen statt. Die Aussenwände waren ja noch nicht abgedichtet und so zog es überall, auch auf der Rasenhängebank. Die Computerfreaks hielten aber tapfer aus und werden sich sicher auch heute noch an dieses Wochenende erinnern.
Es gab Lesungen, Geburtstagsfeiern und sogar Gottesdienste. Immer mit bangem Blick auf das 10 mm² Zuleitungskabel, über das von der Übergabestation an der Zechenstraße der maximal zulässige Strom in den Turm geleitet wurde. Mehrmals schmolz dann doch eine Sicherung durch und so drängte der Vorstand darauf, dass der Turm nun endlich mit ausreichender Energie und Wasser versorgt wird. Dieses wurde dann nach etlichen Verzögerungen realisiert.
Ein Steiger und  Elektromeister im Ruhestand, Gerd Olbrich, nahm sich dann der weiteren Arbeiten an. Mit einem ortsansässigem Elektrogeschäft als Partner wurde zunächst die untere Ebene mit Licht und Steckdosen zu versorgt. Aus diesem Vorhaben entwickelte sich ein ehrenamtliches Beschäftigungsverhältnis, dass viele Stunden erforderte und auf den gesamten Turm ausgedehnt wurde. Wer zwischen 9 und 14 Uhr etwas von Günter Wagner oder Gerd Olbrich wollte, kam als erstes im Turm nachfragen. Die beiden führen nicht nur ihre eigene Arbeit aus, sondern wiesen Handwerker ein und kümmerten sich um die Organisation der Veranstaltungen. Die beiden waren nicht nur die Anleiter für die Mitarbeiter der Werkstatt Unna, sondern übernahmen auch, wieder ehrenamtlich, die Verantwortung für Bönener Jugendliche, die durch Gerichtsbeschluss zum Ableisten von Sozialstunden verurteilt wurden.
Neben der Sanierung des Förderturms lag dem Förderverein der Erhalt der alten Zechenmauer entlang der Zechenstraße sehr am Herzen. Diese wurde allerdings von einem Bau-Experten der Firmen, die nun das Außengelände sanierten, als entweder zu hoch oder zu schmal für ihre Höhe bezeichnet. Probe-Schürfungen auf der Straßenseite schienen dieses Annahme zu bestätigen. Die Idee eine Probebohrung aus den Reihen des Vorstandes im Fuß der Mauer, um die tatsächliche Stärke nachzuweisen, wurde von den  „Fachleuten“ verworfen.  So errechnete ein  Statiker eine maximale Höhe von 2,50m bei  der angenommen Mauerdicke als standsicher.
Der Förderverein wollte auf keinen Fall auf die Mauer verzichten und entschloss sich deshalb schweren Herzens diese auf eigene Kosten auf die zulässige Höhe abzutragen.
Nach der Entfernung von zwei Steine aus der Mauerkrone entschlossen sich Günter Wagner und seine Helfer selbst zu einer Schürfung per Spaten auf der Zechengeländeseite. Sie fanden nach 30 cm eine erste Betonverstärkung die sich dann, nach weiterem nachgraben, als eine in Stufen gegossene Verdickung auf bis zu 1,50 m erwies. Damit war die Diskussion um den Abriss der Mauer schlagartig beendet. Die Mauer galt über Nacht wieder als standsicher.
Die nächste Aktion war dann die Ausbesserung der Fugen und Erneuerung der schadhaften Mauerabdecksteine, die sich über mehrere Monate hinzog. Auch hier wurde unter Führung von Günter Wagner mit vereinseigenen Mitteln, unter Mithilfe der Mitglieder und prominenten Bürgern stetig weitergearbeitet.  Mittlerweile ist  die Mauer fertiggestellt und wird durch mehrere angeschraubte Reliefs verschönt. Diese schuf der Bönener Künstler Harald Müller mit den Schüler der Goetheschule.
Bis ins  Jahr 2006 dauerte dann die Fertigstellung des Energieraumes, der beiden Toiletten sowie der zukünftigen Küche im Rohbau. In 2007 wurde dann der Turm vom Dach der Schachthalle aus, nach oben eingerüstet und die Fassade sehr umfangreich  renoviert. Gleichzeitig wurden die grünen Bleche aus den Fensterbändern entfernt und das alte Drahtglas durch Sicherheitsglas ersetzt. Bei dieser Gelegenheit wurde der „Yellow-Marker“ von 1999 durch einen neuen ersetzt. Die beiden an den Ecken des Turmes diagonal angebrachten gelben Lichtbänder machen den Turm ja  zur Landmarke.
Auch diese Arbeit wurde von Mitgliedern des Fördervereins durchgeführt und ersparte somit einige tausend € Installationskosten. Im Sommer 2008 wurde dann die Schachthalle eingerüstet. Auch hier waren Mauerschäden zu beseitigen und die Fenster zu ersetzen. Es gab neue Fenster in der Leonardhalle, der darunter liegenden Lüfterbühne sowie für den wiederum darunter liegenden Haupteingang.
Eine alte Idee von Heinz Schlockermann konnte ebenfalls im Sommer 2008 verwirklich werden: Am Standort Schacht VI(Friedrich)  wurde ein Rad- und Wanderweg  erstellt und auf der mit Königsborner Pflastersteinen nachgebildeten Schachtscheibe ein Teufkübel sowie eine Erinnerungstafel aufgestellt. Nun waren alle ehemaligen Schachtstandorte der Zeche Königsborn wieder kenntlich gemacht worden. Lediglich Schacht VII (Lerche), der vom Bergwerk Ost genutzt wurde, war nicht zu begehen.
Eine weitere Verbesserung brachte dann in 2009 der Einbau eine durchgehenden Glasfront mit zwei Pendeltüren zwischen dem neuen Foyer und der Schachthalle. Hatten wir uns bisher mit einem Vorhang und später dann mit zwei Schiebetüren beholfen, so unterstützt nun eine lichtdurchlässige und wärmedämmende Wand Veranstaltungen im Foyer. In 2010 wurde dann weiter an der Elektroinstallation, insbesondere an der Brandmelde- und Notbeleuchtungsanlage sowie der Herrichtung der ehemaligen Lüfterbühne zu einem Veranstaltungsraum gearbeitet. Mitte Juli begann der Bodenaustausch in dem Streifen rund um den Turm sowie der Zufahrt von der Zechenstraße. 2011 verbesserte dann eine Fachfirma aus Bönen die Fußböden im Büro und dem Konferenzraum sowie auf der Lüfterbühne und der Hängebank mit einem Estrich.
Im Herbst 2012 konnte dann zum ersten Mal eine Erdgasheizung in Betrieb genommen werden. Damit sind nun das Foyer, die beiden Toiletten, das Büro und der Konferenzraum auf der 3m Ebene sowie die Lüfterbühne auf der 6m Ebene programmierbar zu beheizen. In 2013 bekamen die Fußböden in den Räumen der 3m- und der 6m Ebene einen fugenlosen Bodenbelag aus Kunststoff spendiert.

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